Die Blüte besteht aus einem zweilippigen hellgrünen Kelch mit etwa 3-4 mm langen, spitz zulaufenden Kelchblättern, die dicht mit kurzgestielten Drüsenhaaren besetzt sind, und einer zweilippigen Blütenkrone. Die einzelnen Loben sind in etwa gleich groß (2,5-3 cm lang und 6-7 mm breit), abgestutzt und der Rand der Blütenblätter ist oft wellig. Nur der Mittellappen ist mit 1 cm etwas breiter. Die Blütenfarbe variiert von rosa-violett bis dunkelviolett, wobei die einzelnen Loben von etwas dunkleren Adern durchzogen sein können. Zum Schlund hin befindet sich auf dem Mittellappen eine längliche weiße Zunge, die zum Kronröhreneingang in eine gelb-grüne Farbe übergeht (welches ein weiteres Unterscheidungs-merkmal zu anderen Arten der Orcheosanthus-Gruppe darstellen soll). Die Unterseite der Blütenblätter ist hellviolett gefärbt und zum Schlund hin mit kurzen Drüsenhaaren versehen. Die Kronröhre ist mit 4-5 mm recht kurz, der Sporn ist bräunlich-violett gefärbt und etwa 2,5-3 cm lang und mit Drüsenhaaren besetzt. Die Narbe hat eine dunkelviolette Farbe und die beiden unter der Narbe liegenden Filamente sind weißlich und leicht gekrümmt.

Der mexikanische Botaniker S. Zamudio hält P. rectifolia für ein Synonym von P. moranensis var. moranensis. Die Autoren der Erstbeschreibung behaupten, daß P. rectifolia ausschließlich grün gefärbte Blätter besitzt und dieses Merkmal bei keiner Sippe von P. moranensis zutreffen würde. Eigene Beobachtungen widersprechen dieser Behauptung, da erstens die Sommerblätter von P. rectifolia bei Sonneneinstrahlung ebenfalls eine leicht rötliche Farbe besitzen und es zweitens durchaus Pflanzen von P. moranensis gibt, die eine ausschließliche Grünfärbung der Blätter aufweisen. Die Behauptung P. moranensis-Sippen würden ausschließlich flach an den Boden anliegende Winterrosetten bilden, ist ebenfalls nicht korrekt, denn es gibt sogar P. moranensis-Sippen, welche ein fast zwiebelförmiges Aussehen der Winterrosetten haben (P. moranensis var. neovolcanica).

Pflanzen, die bei Sammlern unter der Bezeichnung P. spec. 'Huahuapan' kultiviert werden, zeigen beim Blütenbau keinerlei Unterschiede zu P. rectifolia, es dürfte sich daher auch um P. rectifolia handeln.

Bild vergrößern
Bild vergrößern
Die Sommerrosette besteht aus bis zu 15 breitlanzettlichen Blättern, die 6-7 cm lang werden können. Eines der typischen Merkmale dieser Art sollen die im ober Drittel aufgerichteten Sommerblätter sein. Allerdings läßt sich dies weder am Naturstandort noch in Kultur bei allen Pflanzen beobachten. Die Blätter sind hellgrün, bei Sonneneinstrahlung auch leicht rötlich überhaucht. Die Winterrosette besteht aus 30 bis 40 lanzettförmigen nicht-karnivoren Blättern, die hellgrün gefärbt und leicht spitz zulaufen.
Bild vergrößern
Bild vergrößern
Bild vergrößern
Bild vergrößern
Bild vergrößern
Bild vergrößern
Bild vergrößern
Bild vergrößern
Bild vergrößern
Bild vergrößern
Bild vergrößern
Bild vergrößern
Bild vergrößern
Pinguicula rectifolia Speta & Fuchs (1989)
Bild vergrößern
Bild vergrößern

Speta & Fuchs beschrieben anhand von Pflanzenmaterial, welches sie im Botanischen Garten Linz, Österreich, kultivierten, eine neue Art unter dem Namen P. rectifolia. Die Pflanzen dieser Sippe wurden von S. Schatzl in der Nähe des Staudamms Morelos im Tal des Rio Balsas im Bundesstaat Oaxaca, Distrikt Juxtlahuaca, nordwestlich des Ortes Putla de Guerrero gesammelt. Der Name der Art bezieht sich auf die (angeblich) aufrechte Blattstellung der Sommerblätter (lat.: rectifolia = aufrechte Blätter). Taxonomisch gehört die Art aufgrund der Blütenmerkmale in die Sektion Orcheosanthus. Leider lassen sich die Standortangaben der Typuspflanzen nicht ganz nachvollziehen. Es gibt aber eine Sippe, die weiter nordöstlich im Distrikt Huajuapan de León, im Cañón El Boquerón, nahe des Ortes Santo Domingo Tonalá vorkommt und den kultivierten Pflanzen von Speta & Fuchs sehr ähnlich sind.