Diese Art wurde bisher nur in der Sierra de Juárez lokalisiert. Die vorherrschende Vegetation ist ein immergrüner Bergnebelwald mit verschiedenen Eichenarten sowie Engelhardtia mexicana. Die Pflanzen wachsen entweder auf senkrechten Kalkfelsen, oft zusammen mit Moosen, oder auf Baumstämmen in Moos. Durch die sehr feuchten Bedingungen gedeihen in den Nebelwäldern als Begleitflora auch Orchideen, Bromelien und Tillandsien. Bisher wurde P. hemiepiphytica in Höhen von 1900 bis 2600 m gefunden.
P. hemiepiphytica ist tropisch-heterophyll und bildet eine Winter- und Sommerrosette aus, welche in Form und Größe der Blätter der von P. moranensis sehr ähnelt. Bei direkter Sonneneinstrahlund sind die Sommerblätter rosa bis rotviolett gefärbt, Pflanzen die im Schatten wachsen sind dagegen oft nur grün gefärbt. Typisch aber ist die rotviolette Färbung der Blattbasis. Ein deutliches Unterscheidungsmerkmal zu P. moranensis stellt die Blüte dar. Die bis zu 5 cm im Durchmesser großen, margenta- bis rotviolletfarbenen Blüten bilden einen langen trichterförmigen Sporn aus, welcher bis zu 3 cm lang sein kann. P. hemiepiphytica blüht immer aus der Sommerrosette. Am Naturstandort erstreckt sich die Blütezeit von Anfang Mai bis September.
Systematisch ist P. hemiepiphytica aufgrund der besonderen Spornmorpohologie mit P. crassifolia, P. utricularioides sowie P. laueana verwandt, wobei letztere Art eventuell sogar identisch mit P. hemiepiphytica sein könnte.
Die Kultur von P. hemiepiphytica ist sehr einfach. Es können daher die Kulturtips zu P. moranensis auch für diese Art verwendet werden.
Aufgrund eingehender Untersuchungen von Herbarmaterial aus dem mexikanischen Bundesstaat Oaxaca kamen Zamudio und Rzedowski zu der Überzeugung, daß es sich bei einigen Herbarbelegen nicht um P. moranensis sondern um eine neue Art handeln mußte. Da die Pflanzen außer auf Felsen wachsend auch teilweise in Moos auf Stämmen verschiedener Baumarten vorkommen, wurde die Art Pinguicula hemiepiphytica benannt.