Am
weitesten verbreitet ist die Unterart P. grandiflora ssp. grandiflora, die
in allen 3 genannten Gebieten (außer in den Savoyer Alpen)
die vorherrschende Form darstellt. Die Blütenkrone besteht aus 2
Lippen. Die Kronblätter sind dunkelviolett gefärbt und haben eine
breite verkehrteirunde Form. Meistens sind auf der Oberseite der Kronblätter
noch dunklere Adern erkennbar. Der Mittellappen der Unterlippe ist zum Schlund
hin mit weißen Härchen besetzt, manchmal sind die Ränder des
Mittellappens zum Schlund hin auch weiß gefärbt. Die Größe
der Blüten kann bis zu 4 cm im Durchmesser betragen. Sehr typisch ist auch
der lange, gerade, zylindrische Sporn, der bis zu 1,5 cm lang sein kann.


Auf
die Savoyer Alpen beschränkt sich das Verbreitungsgebiet der Unterart P.
grandiflora ssp. rosea. Im Unterschied zu ssp. grandiflora
sind die Kronblätter weißlich bis hellrosa gefärbt und in der
Größe kleiner. Auf der Unterlippe sind zum Schlund hin rosafarbene
Adern sichtbar. Rötlich bis rosafarben ist auch die Unterseite der Kronröhre.
Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist der kürzere Sporn.
Im
französischen und schweizerischen Jura gibt es einige Standorte, an denen
in den Kolonien von ssp. grandiflora auch eine Form vorkommt, deren Kronblätter
blaß violett gefärbt sind (nur ein Kranz um den Schlund ist dunkelviolett
gefärbt) und deren Blütenstiel nur eine grünliche Färbung
aufweist. Diese Pflanzen sind in der Literatur als P. grandiflora f. pallida
beschrieben. Außer in den genannten Eigenschaften unterscheiden sich die
Pflanzen von ssp. grandiflora nicht, ihr Anteil an der Gesamtpopulation
liegt aber immer bei etwa 20%.
Sowohl
in West-Irland (Burren Mountains) als auch in den Pyreneen sind Albino-Typen
bekannt, die eine rein weiße Blüte aufweisen. Diese Form wurde erst
vor wenigen Jahren unter der Bezeichnung P. grandiflora f. chiniopetra
beschrieben. Wie weit verbreitet und wie stabil diese Mutation ist, müßte
noch weiter untersucht werden.
Pinguicula
grandiflora
Pinguicula grandiflora
ssp. grandiflora Lamarck
(1789)
Pinguicula
grandiflora ssp. rosea (Mutel) Casper (1962)
Pinguicula
grandiflora f. pallida (Gaudin) Casper (1962)
Pinguicula
grandiflora f. chionopetra Nelson (1993)

Die Art Pinguicula grandiflora wurde bereits 1789
von dem französischen Naturforscher Lamarck erstmalig beschrieben. Benannt
wurde die Art nach der für die damaligen in Mitteleuropa bekannten Fettkrautarten
großen Blüte (lat. grandiflora = großblütig).
Die heutige Verbreitung dieser Art beschränkt sich
auf 3 nicht zusammenhängende Gebiete im westlichen Europa (Kantabrisches
Gebirge in Nordspanien und Pyreneen; Savoyer Alpen und Jura; westliches Irland).
Wahrscheinlich war die Art in kälteren Erdzeitperioden in tieferen Höhenlagen
weiter in Europa verbreitet, nach der Erwärmung des Klimas auf dem europäischen
Kontinent könnte sich die Art auf alpine und atlantische Refugien zurückgezogen
haben.
P. grandiflora gehört zum temperiert-homophyllen
Wuchstyp. Im Spätherbst bilden die Pflanzen Winterknospen (Hibernakeln)
aus, mit der die Pflanzen überwintern. Aus den Winterknospen wachsen
im Frühjahr die Sommerblätter und die Blüten, bevor sich die
Pflanzen im Herbst wieder in die Winterknospen zurückziehen.