Pinguicula moranensis

Diese wohl am häufigsten in Kultur anzutreffende Art kultiviert man am besten in einem Gemisch aus 50% Torf und 50% feinem Quarzsand. Die Pflanzen sollten im Sommer immer sehr feucht bei Temperaturen von 20° bis 30° C und einer rel. Luftfeuchte von 60-70% gehalten werden. Hierfür ist es am besten die Töpfe in eine Schale zu stellen und die Schale etwa 1 cm hoch mit Wasser zu füllen. Wenn das Wasser in der Schale verdunstet ist, dann wieder neues Wasser einfüllen. Im Herbst sollten die Wassergaben langsam reduziert werden und im Winter kann der Boden völlig austrocknen. Die Wintertemperaturen sollten in einem Bereich von 10° bis 15° C liegen. Für ausreichend Belüftung ist immer zu sorgen, damit die Pflanzen nicht anfangen zu faulen.

Diese Kulturtips gelten für alle anderen mexikanischen Hochlandarten, welche im feuchten Sommer karnivore Sommerblätter und im trockenen Winter sukkulente, nicht-karnivore Winterblätter ausbilden.

Pinguicula moranensis 'caudata'

Pinguicula emarginata

Diese tropische mexikanische Art bildet ganzjährig karnivore Blätter aus. Obwohl P. emarginata auf senkrechten Sandsteinfelsen zusammen mit Blaualgen vorkommt, ist die Kultur in Torf-Sandgemisch gut möglich. Die Luftfeuchtigkeit sollte das ganze Jahr über nicht unter 60% sinken, da die Pflanzen am Naturstandort in feuchten Schluchten vorkommen, wo auch im Winter 20° C Lufttemperatur herrschen. Außerdem sollte das Substrat nie austrocknen. Diese Art läßt sich das ganze Jahr über im Anstauverfahren (Topf steht ständig in Schale mit Wasser) kultivieren. Ab und zu bietet es sich an die Schale für 1 bis 2 Tage trocken stehen zu lassen, damit die Sauerstoffversorgung der Wurzeln gewährleistet ist. Bei guter Kultur blüht diese Art das ganze Jahr hindurch.

Pinguicula emarginata 'dark flower'

Pinguicula primuliflora

Diese in den Sumpfgebieten im Südosten der USA vorkommende Art läßt sich sehr gut in reinem Torf kultivieren. Bei hoher Luftfeuchtigkeit, sehr nassem Substrat sowie einem hellen Standort gedeiht P. primuliflora im Sommer sehr gut. Um eine hohe Luftfeuchtigkeit zu gewährleisten, wachsen bei mir die Pflanzen in einem Terrarium. Im Winter ist das Klima am Naturstandort kühler und trockener, so daß man diesem Umstand bei der Kultur auch Rechnung tragen sollte. Dann blühen die Pflanzen auch im Frühjahr reichlich. Diese Kulturbedingungen gelten für alle Arten aus dem Südosten der USA gleichermaßen. Allerdings ist zu berücksichtigen, daß P. primuliflora, P. planifolia und P. caerulea eher nasse Standorte bevorzugen, P. lutea, P. pumila und P. ionantha mehr auf sandigeren und besser durchlüfteten Standorten zu finden sind. Ebenfalls geeignet ist diese Kulturmethode für die europäische P. lusitanica. Bei allen Arten ist für eine gute Belüftung der Pflanzen zu sorgen, damit kein Faulen der Pflanzen auftritt. Alle genannten Arten vertragen nur leichten Frost (minimal -2°C).

Pinguicula primuliflora

Pinguicula vulgaris

Diese in temperierten Klimazonen auf der nördlichen Halbkugel vorkommende Fettkrautart wächst in der Regel auf nährstoffarmen, humusreichen Standorten. Die Kultur dieser Art ist nur im Freiland möglich. Die Pflanzen benötigen kühle Sommer (nicht über 25° C Lufttemperatur), feuchte Standorte mit dementsprechend hoher Luftfeuchtigkeit. Ich kultiviere diese Art in reinem Torf im Anstauverfahren in einem Frühbeetkasten im Halbschatten. Im Winter bildet diese Art Winterknospen aus, um den Winter zu überstehen. Ein Überwintern im Freien ist möglich, wenn die Temperaturen dauerhaft unter 3° C liegen. Höhere Temperaturen führen oft zu einem Wiederaustrieb der Pflanzen, die bei erneutem Frost dann absterben.

Im Winter bildet diese Art Winterknospen aus, um den Winter zu überstehen. Ein Überwintern im Freien ist die zu bevorzugende Methode, vorausgesetzt die Temperaturen liegen dauerhaft unter 3° C. Höhere Temperaturen führen oft zu einem Wiederaustrieb der Pflanzen, die bei erneutem Frost dann absterben. Ein Abdecken der Winterknospen zum Schutz gegen starke Nachtfröste ist von Vorteil. Ein Überwintern der Winterknospen zusammen mit etwas feuchtem Sphagnummoos in einer verschlossenen Plastiktüte im Kühlschrank bei maximal 3° C ist auch möglich. Die Winterknospen sollten aber zusätzlich mit einem Fungizid gegen Pilzbefall (Breitbandfungizid) behandelt werden.

Diese Kulturbedingungen sind ebenfalls für alle anderen temperierten mitteleuropäischen und nordamerikanischen Arten brauchbar, die an sauren Standorten (z.B. Hochmoore) vorkommen. Allerdings ist zu beachten, daß fast alle dieser Arten in Gebirgen vorkommen und deshalb empfindlich gegen zu hohe Sommertemperaturen und zu niedrige Luftfeuchtigkeit sind.

Pinguicula vulgaris 'Irland'

Pinguicula vallisneriifolia

Diese in Spanien vorkommende temperierte Art wächst auf senkrechten Kalkfelsen, die im Sommer ständig von Wasser überrieselt werden. P. vallisneriifolia läßt sich aber auch gut in Töpfen kultivieren. Dabei sollte das Substrat gut luftdurchlässig sein, damit die Wurzeln nicht faulen. Ich kultiviere diese Art in wenig verwitterten Dolomitkalkboden mit etwas Torf eingemischt. Ansonsten gelten die gleichen Kulturbedingungen, wie schon unter P. vulgaris dargestellt.

Gut brauchbar sind diese Kulturhinweise ebenfalls für alle anderen kalkliebenden, auf Felsen vorkommenden Fettkrautarten.

Pinguicula vallisneriifolia 'Cazorla'

Zum Thema Wasser:

Generell reagieren alle Pinguicula-Arten nicht sehr sensibel auf das Verwenden von Leitungswasser. Allerdings sollte beachtet werden, daß der Gehalt an Salzen nicht so hoch ist, denn dies führt auf Dauer zur Versalzung des Substrats und schließlich auch zum Absterben der Pflanzen. Letztlich ist aber die Verwendung von Regenwasser zum Gießen der Pflanzen die beste Lösung.

In diesem Rahmen ist es sicher nicht möglich Tips zur Kultur jeder einzelnen Fettkrautart zu geben. Jede Art hat ihre ganz spezifischen Standortbedingungen, so daß es generell schwierig ist für alle Pflanzen einer Gruppe mit ähnlichen Habitaten allgemeingültige Kulturhinweise aufzustellen. Trotzdem habe ich versucht die Kulturhinweise für Pflanzengruppen zu geben, die bei mir in der Regel von Erfolg gekrönt waren. Letztendlich muß aber jeder selbst für sich die besten Kulturbedingungen herausfinden. Im folgenden Text soll somit ein grober Überblick über eigene Erfahrungen mit der Kultur verschiedener Fettkrautarten gegeben werden. Dabei werden die Kulturerfahrungen anhand exemplarischer Arten dargestellt.