Die Blüte ist eindeutig in Oberlippe und Unterlippe geteilt, wobei die beiden Kronblätter der Oberlippe relativ kurz sind und sich leicht überlappen, die Lappen der Unterlippe 2 bis 3 Mal so lang sind und auf der Oberseite mit weißen Härchen besetzt sind. Form und Farbe der Blüte variieren recht stark, in der Regel ist die Blütenfarbe aber blau-violett und die Lappen der Unterlippe zum Schlund hin meist weiß gefärbt. Die Kronröhre hat eine konische Form, der Sporn mit 1,2 bis 1,5 cm recht lang.
Neben der räumlichen Trennung zu den Pyreneen-Populationen von P. longifolia ssp. longifolia und den stark unterschiedlichen klimatischen Bedingungen gibt es noch einige Unterscheidungsmerkmale, die es rechtfertigen würden diese Sippe auf Artrang zu erheben. Darauf weist auch der Autor in seiner Beschreibung selbst hin. Neben der etwas abweichenden Blütenform sind es insbesondere die Sommerblätter, die sich in ihrer Form von den langen Blättern der Pyreneen-Sippen stark unterscheiden, die der Art ihren Namen verdankt. Bei den Pflanzen im Massif Central sind die Blätter länglich bis verkehrt-eiförmig, mit bis zu 8 cm wesentlich kürzer, der Blattrand ist nach oben gebogen und die Blätter laufen leicht spitz zu. Eine genauere Studie und Revision der Pflanzen des P. longifolia-Komplexes wäre wünschenswert.
Im französischen Massif Central findet man an mehreren Standorten eine Sippe von Fettkräutern, welche von den meisten Botanikern P. longifolia ssp. longifolia zugeordnet worden ist. Erst 1962 wurden die Pflanzen von Jost Casper als neue Unterart der in den Pyreneen vorkommenden P. longifolia ssp. longifolia beschrieben und als ssp. caussensis bezeichnet.
Diese Art beginnt die Blüte bereits Mitte April. Zum Zeitpunkt meines Besuchs eines Standorts in der Gorges du Tarn Ende April waren die Pflanzen bereits in voller Blüte. Mitte Juli gab es hingegen kaum noch Pflanzen in Blüte anzutreffen. P. longifolia ssp. caussensis wächst auf Kalkfelsen. Entweder die Pflanzen wachsen an fast vertikalen Kalkfelsen in Moospolstern oder in dem wenigen verwitterten Kalksand, der sich an den Felsen hält. Außer Gräsern und Farnen, die den Pflanzen etwas Schatten bieten, sind kaum andere Pflanzen anzutreffen. Auf die nach Westen ausgerichteten Felsen schien intensiv die Sonne, so dass es im April bereits über 20°C warm war. Aufgrund der klimatischen Bedingungen zählt P. longifolia ssp. caussensis zu den sehr früh blühenden temperierten Arten.