Der Kelch ist etwa 3 mm groß und in Ober- und Unterlippe geteilt. Die einzelnen Zipfel sind bis zur Hälfte miteinander verwachsen und können in der Form variabel sein. Außen ist der Kelch mit gestielten Drüsenhaaren besetzt.
Die Blütenkorolle besteht ebenfalls aus Ober- und Unterlippe. Die beiden Lappen der Oberlippe sind etwa 2-3 mm lang und spatelig. Die Unterlippe ist größer, wobei der Mittellappen deutlich breiter und länger (bis 5 mm) als die beiden Seitenlappen ist (spatelig bis keilförmig), wobei die Seitenlappen mit dem Mittellappen im unter Drittel verwachsen sind. Die Blütenfarbe der Kronblätter ist weiß. Auf dem Mittellappen befindet sich ein Gaumen mit 2 Reihen gelb-grünlicher Härchen. Zum Schlund hin ist die Unterlippe dicht mit etwa 1 mm langen Härchen besetzt. Die Kronröhre ist trichterförmig, etwas länger als breit (5-6 mm lang). Die Farbe der Kronröhre ist im oberen Teil weißlich, geht dann zum Sporn hin in violett über. Der Sporn ist kegelförmig und kann bis zu 5 mm lang werden. In der Literatur ist die Farbe des Sporns mit gelb angegeben, die von mir kultivierten Pflanzen haben aber einen hellgrünen Sporn.
P. variegata überwintert als temperierter Wuchstyp mit einem Hibernaculum (Winterknospe). Aus den etwa 5 mm großen Winterknospen bilden sich im Frühjahr neue Sommerblätter. Der Blühzeitraum wird von Juni bis Juli angegeben. Unter mitteleuropäischen Kulturbedingungen bilden sich bereits im Mai die ersten Blüten. Die Art kommt in Sphagnum-Mooren der alpinen Tundra oberhalb der Waldgrenze vor und wächst von Seehöhe bis auf 2000 m ü.M. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich im Westen etwa bis zum Fluß Amur und im Osten reicht die Art bis zur Insel Sachalin nördlich von Japan.
Die Blüten von P. variegata weisen Ähnlichkeiten zu P. alpina aber auch zu P. ramosa auf. Aufgrund der Chromosomenzahl von 2n=64 gibt es auch die These, dass es sich bei P. variegata um eine Hybride von P. alpina (2n=32) und P. villosa (2n=16) handeln könnte, wobei das Nicht-Auftreten von P. variegata in Scandinavien mit dem dort unterschiedlichen Blühzeitpunkt der beiden Arten begründet wird (durch die kürzere Vegetationszeit in Sibirien überlappen sich die Blühzeitpunkte der beiden Arten und könnten zu einer Hybridisierung geführt haben).
Diese im nordöstlichen Sibirien endemische Art wurde bereits 1840 beschrieben, allerdings ergeben sich durch die spärlichen verfügbaren Beschreibungen noch vielerlei unbeantwortete Fragen zu den Verwandtschaftsverhältnissen zu P. alpina und P. ramosa.
Die Sommerrosette besteht aus 3-7 runden (bei mir in Kultur eher herzförmigen) Blättern, die bis zu 0,7 cm lang werden. Der Blattrand ist zur Spitze hin leicht nach oben gebogen. Typisch für diese Art sind die am Blattstiel und am unteren Ende der Blattspreite weißen Wimpern, die bis zu 2 mm lang werden können. P. variegata bildet pro Vegetationsperiode nur ein Blütenstiel aus. Der Blütenstiel kann bis zu 10 cm lang werden und ist dicht mit Drüsenhaaren besetzt. Es kommt oft vor, dass am Ende des Blütenstiels an Stelle einer Blüte nur eine knotenartige Verdickung gebildet wird.