Bereits
Ende des 19. Jahrhunderts wurde in der Sierra San Esteban nahe der Stadt Guadalajara
im mexikanischen Bundesstaat Jalisco eine Art beschrieben, welche aufgrund ihrer
länglich schmalen Sommerblätter den Namen Pinguicula parvifolia
erhielt. Die eigentliche Besonderheit der Pflanzen stellen aber ihre zwiebelförmige
Winterrosette dar, welche sie mit Arten wie P. heterophylla, P. acuminata
oder P. macrophylla gemein haben. Erst in den letzten Jahren konnte durch
intensivere Feldstudien die Art auch weiter südlich in Morelos und dem nördlichen
Guerrero nachgewiesen werden, wo P. parvifolia zusammen mit P. heterophylla
und P. moranensis vorkommt.


Die
Standortbedingungen von P. parvifolia sind recht unterschiedlich. Die Art
wächst auf erodierten Böden (senkrecht abfallende Hänge oder leicht
geneigte Stellen) welche aus kiesigem (Granit) oder sandig- lehmigem Substrat
vulkanischen Ursprungs bestehen können. Dabei wachsen die Pflanzen direkt
in Erde oder in Moospolstern. Meist sind lichte Eichen oder Pinienwälder
die vorherrschende Vegetation. Die Hauptblühperiode von P. parvifolia
erstreckt sich von Juni bis August.














Die
Blüte ist deutlich in eine Ober- und Unterlippe unterteilt. Die Blütenpetalen
haben eine länglich verkehrt-eirunde bis spatelige Form (bis 1 cm lang und
0,3 cm breit), wobei das Petalenende spitz bis abgerundet sein kann. Die Blütenfarbe
variiert von fast ganz weiß bis violett. Auf dem Mittellappen der Unterlippe
befindet sich zum Schlund hin immer ein gelblicher Fleck. Der Schlundeingang ist
stärker behaart, während auf der Oberseite der Petalen eine eher spärliche
Behaarung zu finden ist. Die lange (0,7 bis 0,8 cm), fast zylindrische Kronröhre
ist außen meist violett gefärbt, zum Sporn hin blasser oder weißlich
werdend. Der leicht gebogene Sporn ist in den meisten Fällen 0,4 bis 0,5
cm lang und von grünlich-gelber Farbe.
Die
Sommerrosette von P. parvifolia besteht meist aus 4 bis 6 Blättern,
die eine verkehrt-eirunde bis längliche, spitz zulaufende Form haben, wobei
der Rand leich bis stark aufgebogen sein kann. Die Blattfarbe variiert zwischen
dunkelgrün und rotbraun. Die Sommerrosetten von adulten Pflanzen haben in
der Regel einen Durchmesser von 4 bis 5 cm.
Bei
der Kultur dieser Art ist zu beachten, dass die Winterrosetten im Substrat eingegraben
überwintern. Daher sollte das Substrat über Winter kaum gewässert
werden, um Pilzbefall zu vermeiden. Zum Ende der Winterperiode sollte der Boden
wieder feuchter sein, damit die Blüten, welche aus der Winterrosette erscheinen,
nicht vertrocknen.
Pinguicula
parvifolia Robinson (1894)
P.
parvifolia bildet zwiebelförmige Winterrosetten, ähnlich der von
P. heterophylla. Die Blätter sind verkehrt-eirund lanzettlich, bis
zu 2 cm lang und 3 mm breit. Die äußeren Blätter sind braun pergamentartig,
wobei sich die Blätter mit ihren langen Härchen miteinanander verzahnen.
So ist die Winterrosette, die den Winter trocken im boden überdauert, gegen
Pilzbefall geschützt. Im Mai-Juni werden mit den ersten Sommerblättern
auch die Blüten bebildet. Die 1 bis 3 Blütenstiele sind fast drüsenfrei
und können bis zu 10 cm lang werden.