P. agnata

Oliver Gluchs
Welt der Fleischfressenden Pflanzen
oder:

"Was Sie schon immer einmal über Fettkraut wissen wollten"

  Impressum

P. filifolia
Startseite Vorkommen Beutetiere Arten Pflanzenkauf Andere Karnivoren Infos über Karnivoren über mich

Pinguicula gypsicola Brandegee (1911)





Im Jahre 1910 wurde von C. A. Purpus im mexikanischen Bundesstaat San Luis Potosí in einem Gipssteinbruch mit dem Namen 'Minas de San Rafael' (östlich der Stadt San Luis Potosí) eine Fettkrautsippe gefunden, die T. S. Brandegee dann 1911 unter dem Namen P. gypsicola beschrieb. Zu diesem Zeitpunkt war dies die einzig bekannte Fettkrautart, welche auf Gipsboden vorkam. Alle in den botanischen Gärten Europas (u.a. auch in Kew Botanical Garden) kultivierten Pflanzen gingen auf die 1910 gesammelten Pflanzen zurück. Erst Ende der 1980er Jahre wurde die Art an verschiedenen Stellen in Mexico auf Gipshügeln wiedergefunden, so dass neue Klone in Kultur genommen werden konnten.






Das typische Habitat von P. gypsicola sind Gipsfelsen. Die Pflanzen wachsen entweder in Spalten direkt in kristallinem Gips oder in leicht verwittertem Gipssubstrat. Dabei bevorzugen die Pflanzen die nach Norden oder Nordwesten ausgerichteten Seiten der Gipshügel, an denen es am schattigsten ist. Manchmal findet man auch Pflanzen in schattigen, in den Gips eingeschnittenen Schluchten. In der Trockenzeit von Dezember bis Juni ist das Habitat völlig ausgetrocknet, in der regenreicheren Zeit von August bis November fallen vereinzelt Regenfälle. Der Gips scheint darüberhinaus noch Feuchtigkeit aus der Luft zu speichern, welche die Pflanzen nutzen.

Die Begleitflora am Standort besteht aus xerophytischen Büschen, diversen Hechtia-Arten, Agave stricta, verschiedenen Kakteen-Arten sowie Selaginella cuspidata.






P. gypsicola bildet in der Trockenzeit eine Winterrosette aus. Die kompakte Rosette besteht aus bis zu 60-80 spatelförmigen, stumpf zulaufenden und nicht karnivoren Winterblättern, die bis zu 1,5 cm lang und an der breitesten Stelle bis zu 4 mm breit sein können. Die Blattbasis ist mit weißen, seitlich abstehenden Härchen besetzt.

Mit zunehmender Feuchtigkeit, ab etwa Juli, fangen die Pflanzen an Sommerblätter zu bilden. Die Sommerrosette kann aus bis zu 30 Blättern bestehen. Die Sommerblätter sind zuerst nur wenige Zentimeter lang, können dann aber im Laufe der Vegetationsperiode bis zu 12 cm lang und an der Basis bis zu 8 mm breit werden und weisen eine linealisch-lanzettliche Wuchsform auf. Die Oberseite der Blätter ist dicht mit Drüsenhaaren besetzt. Die Blattfarbe kann von grün bis rötlich variieren.






Die Blütezeit von P. gypsicola dauert von Juni bis November (je nach Wasserversorgung kann die Blüte auch später beginnen), wobei die Blüten nach Ausbildung der ersten Sommerblätter erscheinen. Dabei kommt es nicht selten vor, dass die Pflanzen bis zu 10 Blüten bilden. Der dicht mit Drüsenhaaren besetzte Blütenstiel ist recht lang und kann bis 17 cm erreichen, die meisten Blütenstiele werden aber eher 8 bis 12 cm lang.




Die Blütenkrone is violett-purpurfarben und in Ober- und Unterlippe unterteilt. Die Kronblätter haben eine linealisch-längliche Form. Zum Schlund hin befinden sich auf der Oberseite der Kronblätter meist dunkelpurpurne Flecken. Der Mittellappen der Unterlippe weist zum Kronröhreneingang einen variabel geformten, weißen Fleck auf. Der Durchmesser der Blüte beträgt meistens 2 bis 2,5 cm. Der Sporn ist mit 2,5 cm sehr lang.

Bei der Kultur von P. gypsicola ist zu beachten, dass man im Sommer die Pflanzen nicht zu feucht kultiviert, sonst kann es schnell zum Faulen der Pflanzen kommen. Sobald die Pflanzen anfangen Winterblätter auszubilden, sollte man das Substrat völlig trocken halten. Das Substrat muss nicht zwangsweise aus Gips bestehen. Die Art zeigt sich beim Kultursubstrat sehr anpassungsfähig, wobei ein luftdurchlässiges Substrat zu bevorzugen ist.