P. agnata

Oliver Gluchs
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P. filifolia
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Pinguicula reichenbachiana Schindler (1753)




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Bereits seit Anfang des 19. Jahrhunderts wurden Sippen aus dem Roya-Tal im französisch-italienischen Grenzgebiet beschrieben, die auf Sandstein und Kalkfelsen vorkommen. Zuerst als P. grandiflora eingestuft, danach als eine Varietät von P. leptoceras angesehen (P. leptoceras var. longifolia), beschrieb dann Johann Schindler die Sippe als neue Art und und benannte sie als P. reichenbachiana (zu Ehren des deutschen Botanikers Ludwig Reichenbach). Casper kam in den 1960er Jahren zu dem Schluß, dass es sich bei diesen Sippen nur um eine Unterart von P. longifolia handelt und stufte diese als P. longifolia ssp. reichenbachiana neu ein. Im Gegensatz dazu sehe ich diese Sippe, die auch noch weiter östlich im Ausläufer der Seealpen zum ligurischen Appennin vorkommt, allerdings als eigenständige Art an, was jüngere molekulargenetische Studien bestätigen. Die von Casper angegebenen Sippen in den Apuanischen Alpen und dem toskanischen Appennin wurden mittlerweile als eigenständige Arten beschrieben.



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Obwohl einige Standorte nur wenige Kilometer vom Mittelmeer entfernt sind und daher eher selten Frost im Winter vorkommt, gehört die Art zum temperiert-homophyllen Wuchstyp, was heißt, dass die Pflanzen im Spätsommer ein Hibernaculum zum Überwintern ausbilden und dann im Frühjahr Sommerblätter bilden.

Die Sommerblätter haben eine verkehrt-eirunde bis lanzettliche Form und können 6-8 cm lang und 1 bis 1,2 cm breit werden. Die Blattfarbe variiert von hellgrün bis dunkelgrün, vereinzelt auch rotbräunlich. Nach dem Austreiben der Sommerblätter im März bilden die Pflanzen schon im August wieder Winterknospen aus. Dieser frühe Zeitpunkt hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass viele Standorte im Sommer trockener werden und die Pflanze die heißen und trockenen Phasen besser mit dem Hibernakulum überstehen können. Da die Art recht zahlreiche Tochterknopsen bilden, wachsen viele Pflanzen in einem "Pflanzenklumpen" zusammen (da die Adventivknospen um die Mutterpflanze im Frühjahr neue Sommerblätter bilden).




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P. reichenbachiana blüht ab Anfang/Mitte April bis Mitte Juni (die von Schindler angegebene Blütezeit (Mai bis August) stimmt nicht mit Beobachtungen an verschiedenen Standorten überein). Die Blütenkorolle ist zweilippig. Die Oberlippe bildet meist einen Winkel von 24 bis 45° zur Unterlippe aus. Die Kronblätter sind dunkelblauviolett bis hellviolett gefärbt, wobei die 3 Kronblätter der Unterlippe in der Regel einen weißen Fleck aufweisen. Die Kronblätter der Unterlippe sind verkehrt-eiförmig und stumpf zulaufend. Meist überlappen sich die Kronblätter etwas. Im Vergleich zu den Kronblättern der Oberlippe sind die Lappen der Unterlippe 2 bis 3 Mal so groß. Der Schlundeingang ist stark behaart. Inklusive Sporn erreicht die Blüte eine Größe von 2,5 bis 3,5 cm. Die Kronröhre läuft konisch zu und geht dann in den Sporn über, der etwa 0,8 bis 1,2 cm lang wird.


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P. reichenbachiana kann man erfolgreich in einem Kalthaus oder im Freien kultivieren. Da die Pflanzen im Spätsommer bereits ihre Winterknospen bilden, muss man aufpassen, dass man danach bis zum Frühjahr das Substrat nur wenig feucht hält. Eine Fungizidbehandlung gegen Pythium- und Phytophthora-Pilze ist von Vorteil. Beim Substrat sind die Pflanzen wenig wählerisch. In kalkhaltigem Boden oder auch in reinem Torf lassen sich die Pflanzen über Jahre ohne Probleme kultivieren. Die Wintertemperaturen sollten nicht mehr als 5°C betragen, sonst treiben die Winterknospen zu früh aus.