P. agnata

Oliver Gluchs
Welt der Fleischfressenden Pflanzen
oder:

"Was Sie schon immer einmal über Fettkraut wissen wollten"

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P. filifolia
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Pinguicula pumila Michaux (1803)




Von den 6 im Südwesten der USA beheimateten Fettkrautarten ist P. pumila die kleinste Art, hat aber das größte Verbreitungsgebiet. Dies erstreckt sich im Osten entlang der Küste vom südlichen North-Carolina bis auf die Key-Inseln Südfloridas, westlich findet man die Art entlang der Küstenregion Floridas, Alabamas, Mississippis und bis in den östlichen Zipfel von Louisiana. Es ist auch ein Standort im östlichen Texas (Big Thicket National Preserve) bekannt. Außerhalb der USA wurden Pflanzen auch auf den Bahamas gefunden. Die Art gehört zum homophyllen Wuchstyp, aber im Gegensatz zu den anderen Fettkrautarten, die auch im Südosten der USA vorkommen, ist P. pumila am Naturstandort maximal einjährig, bzw. bildet mehrere Generationen pro Jahr aus. Die silikatreichen Savannen-Standorte sind von Oktober bis Juli feucht, dann aber regnet es nur noch sporadisch und die gut drainierten Böden trocknen bei den hohen Temperaturen schnell aus. Dies hat zur Folge, daß die Pflanzen oft Trockenstreß ausgesetzt sind und keine neuen Blätter bilden, die alten Blätter vertrocknen. Auf den kalkhaltigen, sehr wenig verwitterten Böden Südfloridas und der Key-Inseln kann die Art bis zu 3 Generationen pro Jahr ausbilden, da in den Trockenphasen die Pflanzen wieder absterben. Daher blühen die Pflanzen sehr schnell, um ausreichend Samen für die nächste Generation zu bilden.




P. pumila bevorzugt Standorte, welche eher offenen Grasbewuchs aufweisen. Dabei können die Pflanzen in leicht sandigen oder auch wenig verwitterten Kalkböden vorkommen. Da die Art auch an Standorten in der Nähe des Meeres wächst, scheinen die Pflanzen wohl toleranter gegenüber höheren Salzgehalten im Boden zu sein. Manchmal findet man P. pumila auch zusammen mit den Fettkrautarten P. lutea oder P. caerulea, welche auch eher weniger nasse Standorte bevorzugen.


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Die Blattrosette erreicht gewöhnlich einen Durchmesser von 3 bis 4 cm. An kargen Standorten mit wenig Boden sind die Rosetten meist klein und werden nur 1 bis 1,5 cm groß. An einem Standort im östlichen Florida gibt es Bestände, deren Rosetten mit bis zu 7 cm im Durchmesser extrem groß werden. Die länglichen Blätter mit nach oben gebogenem Rand sind meist hellgrün gefärbt. Manchmal kommen aber auch Pflanzen vor, deren Blätter eine rötlich-gelbe Farbe aufweisen. Die Rosette hat normalerweise 10 bis 15 Blätter, nur die Sippen mit kleinen Pflanzen besteht die Rosette oft aus nur 4 bis 5 Blättern.



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Bereits nach wenigen Wochen sind die Pflanzen blühfähig. Am Naturstandort erstreckt sich der Hauptblühzeitraum von Oktober bis April. In Kultur blühen die Pflanzen oft das ganze Jahr hindurch. Die Blütenstiele können einen Länge von 10 bis 12 cm erreichen. Die Blütenfarbe variiert von weiß, hellviolett und dunkelviolett. Aus den Everglades in Florida ist eine gelbe Farbvariante bekannt, die unter der Bezeichnung var. buswellii beschrieben wurde, aber einfach nur Teil des Farbspektrums der Art ist.  Die Kronblätter sind meist spatelförmig und am Blattende leicht eingekerbt, manchmal können sich die Kronblätter auch leicht überlappen. Auf dem Mittellappen der Unterlippe befindet sich ein Gaumen, der entweder cremefarben oder gelb sein kann und nur leicht aus der Kronröhre herausragt. Die Farbe der Kronröhre ist gelb oder violett und wird von rötlichen oder violetten Adern durchzogen. Die Kronröhre ist leicht abgebogen und bildet mit dem Sport einen 90° Winkel aus. Typisch für die Blüten ist auch, dass diese nachts geschlossen sind und sich erst am Vormittag wieder voll öffnen. 



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Die Kultur dieser Art ist nicht ganz einfach. Die Pflanzen sollten insbesondere im Winter nicht zu feucht kultivert werden. Die Rosetten neigen leicht zu Pilzbefall, was eine Fungizidbehandlung gegen Schimmelpilze manchmal nötig macht. Die Kultur in einem Torf-Quarzsandgemisch ist möglich, allerdings ist hier auf Trauermückenbefall zu achten. Eine Kultur in Vermiculit hat sich durchaus als erfolgreich herausgestellt. Eine Fremdbefruchtung scheint nicht unbedingt notwendig zu sein. Oft setzen die Pflanzen auch ohne "künstliche Bestäubung" Samen an. Allerdings ist im Spätherbst eine Handbestäubung von Vorteil (z.B. mit einem kleinen Pinsel). Die Kreuzbestäubung genetisch verschiedener Pflanzen ist zu bevorzugen, denn hier ist der Samenansatz deutlich höher.