P. agnata

Oliver Gluchs
Welt der Fleischfressenden Pflanzen
oder:

"Was Sie schon immer einmal über Fettkraut wissen wollten"

Impressum

P. filifolia
Home Vorkommen Beutetiere Arten Pflanzenkauf Andere Karnivoren Infos über Karnivoren über mich

Pinguicula conzattii Zamudio & van Marm (2003)





1993 sammelte Alfred Lau Pflanzen in der Sierra Madre del Sur, östlich des kleinen Bergdorfes Santiago Nuyoo im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca, die er an verschiedene Pflanzenliebhaber in Europa unter der Bezeichnung "spec. Santiago Nuyoo Pass" geschickt hatte. 
Bei der Kultur dieser Pflanze stellte sich aber heraus, dass es sich um eine bis dato noch unbeschriebene Fettkrautart handelte.
In 2003 wurde die Pflanze letztlich von dem mexikanischen Botaniker Sergio Zamudio und dem Karnivorenliebhaber Johan van Marm als neue Art unter der Bezeichnung P. conzattii offiziell beschrieben. Diese neue Art wurde nach dem Botaniker Don Cassiano Conzatti benannt, der sich mehr als 50 Jahre mit der Flora von Oaxaca beschäftigt hatte.




Die Pflanzen wachsen in einem tropischen immergrünen Bergnebelwald (span.: bosque mesófilo de montaña) in einer Höhe von 2400 bis 2700 m ü. M. auf westlich ausgerichteten, vertikalen Kalksteinfelsen in Moospolstern.

Die Sommerrosette besteht aus bis zu 10 Blättern, die bis zu 5 cm lang und 4 cm breit werden können. Der Blattrand ist nach oben gebogen. Sehr auffällig sind die vielen weißen Härchen, die sich auf der Oberseite der Blätter im unteren Drittel des Blattes befinden. Die Sommerblätter sind dunkelgrün, bei direkter Sonneneinstrahlung auch rötlich gefärbt. Beim Übergang von Sommer- in die Winterrosette werden die Sommerblätter immer kleiner, bis nur noch Winterblätter gebildet werden.

Die Winterrosette besteht aus einer Vielzahl von nicht karnivoren hellgrünen, an der Basis leicht violett gefärbten Blättern (40-80), die bis zu 1 cm lang und an der breitesten Stelle 3 mm breit sind, wobei die Blattspitze abgerundet bis leicht spitz zulaufend ist. Im oberen Drittel befinden sich auf der Blattoberseite vereinzelt weiße mit Drüsen versehenen Härchen. Als einzige tropisch-heterophylle Art weist auch die Blattunterseite der Winterblätter Drüsenhaare auf.




Bild vergrößernBild vergrößern


Im Widerspruch zur Originalbeschreibung bildet P. conzattii nicht nur Blüten aus der Winterrosette, sondern kann auch aus der Sommerrosette blühen. Die Anzahl Blüten pro Pflanze variiert zwischen 1 und 6. Der Blütenstiel kann zwische 7 und 17 cm lang werden und ist dicht mit weißen Härchen bestückt. Die Blüte ist in Ober- und Unterlippe unterteilt, wobei die Petalen der Unterlippe größer sind als die Petalen der Oberlippe. Die Kronblätter haben eine keilförmige bis lanzettliche Form und können bis zu 1 cm lang werden. Die Petalen überlappen sich nicht. Meist sind die Kronblätter weiß gefärbt und besitzen einen violetten Rand. Manche Blüten können auch fast rein weiß sein. Zum Schlund hin ist die Oberseite der Kronblätter dicht behaart. Die Kronröhre ist zylindrisch geformt und kann mit bis zu 1,2 cm recht lang sein. Der grünliche Sporn ist keulenförmig und von der Kronröhre abgesetzt. 


Bild vergrößernBild vergrößernBild vergrößern

Bild vergrößernBild vergrößern


Die Kultur von P. conzattii ist nicht immer einfach. Oft neigen die Winterrosetten bei höherer Luftfeuchtigkeit zu Botrytis-Befall. Auch kommt es vor, dass die Winterblätter schon sehr früh im Herbst gebildet werden und dann bereits Ende des Winters von den Pflanzen neue Sommerblätter ausgebildet werden, die dann noch keine optimalen Wachstumsbedingungen haben. Da die Pflanzen am Naturstandort in Moospolstern vorkommen, ist eine Kultur in organischem Material gut möglich (hier sollte man die Substratoberfläche aber regelmäßig auf das Vorkommen von Trauermückenlarven überprüfen), aber auch andere luftdurchlässige Substrate zeigen gute Erfolge. Im Winter ist es empfehlenswert die Pflanzen eher wenig feucht zu halten, damit es zu keiner Fäulnisbildung kommt.