P. agnata

Oliver Gluchs
Welt der Fleischfressenden Pflanzen
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"Was Sie schon immer einmal über Fettkraut wissen wollten"

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P. filifolia
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Pinguicula chilensis Clos (1849)



Bereits 1849 wurde von dem französischen Botaniker Dominique Clos eine Fettkrautart aus Chile beschrieben, welche aufgrund ihres Fundortes in Chile den Namen Pinguicula chilensis erhielt. Die Art wächst ausschließlich in den Anden in Chile und Argentinien (auch wenn fälschlicherweise die Art ursprünglich aus dem Valdivianischen Küstengebirge Chiles beschrieben wurde). Der bisher nördlichste bekannte Standort befindet sich in der Nähe der Laguna del Maule (etwa 36° südlicher Breite), der südlichste liegt im Nahuel Huapi Nationalpark in Argentinien (etwa 41° südlicher Breite). Wahrscheinlich kommt die Art noch weiter südlich vor, aber aufgrund der schwierigen Zugänglichkeit der Anden in diesem Gebiet wurde dort wohl noch nie nach Pinguicula gesucht (die meisten bekannten Standorte befinden sich in Gebieten, an denen Passstraßen die Anden überqueren). P. chilensis wurde bisher in Höhen zwischen 1000 und 2300 m über Meereshöhe gefunden.




Das Habitat von P. chilensis sind Feuchtwiesen in subandinen Hochregionen, die lokal "mallin" genannt werden. Diese befinden sich in flacheren Zonen und werden von Schmelzwasser von Gletschern oder Schneefeldern gespeist und trocknen auch während des Sommers nicht aus. Im Spätherbst fällt in diesen Hohenlagen dann wieder Schnee und die Vegetation verschwindet bis zum nächsten Frühjahr unter einer Schneedecke.





P. chilensis gehört, wie auch die verwandten südamerikanischen Fettkrautarten P. antarctica , P. calyptrata und P. involuta, zum tropisch-homophyllen Wuchstyp. Dies bedeutet, dass die Pflanzen nur eine Blattform ausbilden und den Winter in der Blattrosette und nicht mit einem Hibernaculum überdauern.

Die Pflanzen bilden eine Rosette von 5 bis 8 Blättern. Die Blätter haben eine verkehrt-eirunde Form, der Blattrand ist stark nach oben eingerollt und die Blattoberseite ist dicht mit Drüsenhaaren besetzt. Die Blätter werden bis zu 2,5 cm lang und 1 cm breit, wobei im Frühjahr und Herbst die Rosetten kleiner sind.





P. chilensis blüht am Naturstandort von Mitte Dezember bis Februar. Die Pflanzen bilden 1 bis 3 Blüten aus. Die Blütenkrone ist in Ober- und Unterlippe unterteilt, dabei sind die Kronblätter aber fast gleich groß. Die verkehrt-eirunden Lappen der Oberlippe sind etwa 3 mm lang, während die Unterlippenlappen 3,75 mm lang und 2,75 mm breit werden. Der obere Rand der Kronblätter ist etwa 1 mm eingekerbt. Die Blütenfarbe variiert zwischen rosa, purpur und blaßviolett. Die 4 bis 6 mm lange Kronröhre verjüngt sich gegen Ende hin trichterförmig. Am Kronröhreneingang befindet sich ein zweireihiger Gaumen aus gelben Härchen. Die Kronröhre ist im Innern mit 3 Streifen von weißen Härchen besetzt. An die Kronröhre schließt sich der 2 bis 3 mm lange und 0,5 mm breite hellgrün gefärbte Sporn an, der nur wenig konisch geformt ist und ein stumpfes Ende aufweist.


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Die Kultur von P. chilensis ist nicht ganz unkompliziert. Insbesondere in den Wintermonaten, wenn die Pflanzen in der Natur unter Schnee liegen und nicht mehr wachsen, ist in Kultur darauf zu achten, dass die Temperaturen nicht höher als 8 °C liegen, damit die Pflanzen eine Art Winterruhe einhalten. Dabei ist für gute Belüftung zu sorgen, andernfalls werden die Pflanzen schnell mit Schimmelpilz befallen und sterben ab. Im Sommer kann man die Pflanzen im Anstauverfahren kultivieren. Hierbei ist es kein Problem, wenn die Pflanzen direkt in der Sonne stehen. Beim Substrat wachsen die Pflanzen gut in reinem Torf aber auch in anorganischem Substrat, wie z.B. Vermiculit, wobei letzeres den Vorteil einer besseren Belüftung der Wurzeln hat. Meist bestäubt sich die Blüte selbst, so dass die Art gut über Samen vermehrbar ist.